Autonomie im Pferdetraining

Im intrinzen-inspirierten Training wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass das Pferd Autonomie hat.

Kurz gesagt bedeutet das, dass das Pferd zu einer ihm gestellten Aufgabe “Nein” sagen darf ohne irgendwelche Konsequenzen.
(Es bedeutet natürlich nicht, dass das Pferd machen darf, was es will.)

Warum das wichtig ist und wie ich das in unserem Training umsetze, erkläre ich im folgenden Blogbeitrag.

Selbstbestimmungstheorie nach Deci





If you must play,
you can’t play

Richard Deci hat in seiner Selbstbestimmungstheorie als Grundvoraussetzungen für intrinsische Motivation
– Autonomy (also Autonomie, Freiwilligkeit, Selbstbestimmtheit)
– Mastery (also den Willen etwas zu meistern, Herausforderung zu bestehen) und
– Purpose (Sinnhaftigkeit) bzw Relatedness (Zugehörigkeit, Team-Spirit)
genannt.
Wenn diese gegeben sind, *kann* intrinsische Motivation entstehen.

Purpose

Purpose bedeutet, dass das Pferd in seiner Aufgabe einen Sinn sieht. Dazu bieten sich Annäherungsziele (einem Target folgen, eine Tüte jagen, die Natur erkunden) an, weil das Pferd wirklich ein Ziel verfolgt, welches allein schon sinnbehaftet ist.
Sieht das Pferd das Ziel als nicht sinnvoll an, kommt die Autonomie ins Spiel, die ihm erlaubt zu äußern, dass bei der Aufgabe der purpose doch fehlt.
Das Pferd darf sich dann abwenden, darf wieder grasen gehen (wenn auf der Weide trainiert wird) oder eine andere Übung vorschlagen.

Mastery

Mastery bedeutet, dass das Pferd eine Fähigkeit meistern, eine Herausforderung bewältigen, generell einfach besser werden will in einer Übung.
Zum Beispiel sind die ersten Schritte Pantherwalk (die übrigens erstmal kleinschrittig über R+ aufgebaut werden) vielleicht anfangs noch mühsam für das Pferd, aber wenn es den Dreh raus hat, möchte es meist auch längere Strecken Pantherwalk zeigen.
Der Mensch kann dann den Schwierigkeitsgrad erhöhen, indem er z.B. Hindernisse auslegt oder fragt, ob das Pferd auch bergauf pantherwalken kann.
Die Autonomie erlaubt dem Pferd hierbei einerseits zu äußern, dass eine Herausforderung vielleicht doch noch zu groß ist, aber es erlaubt dem Pferd auch *von sich aus* zu sagen “das probier ich, das schaff ich doch bestimmt”.

Autonomy

Ich denke anhand der vorherigen Punkte ist schon deutlich geworden, was Autonomie ist und warum sie wichtig ist.
Der Wunsch ist, dass das Pferd die Motivation in sich selbst findet, weswegen wichtig ist, dass es auch äußern kann, wenn es eben keine Motivation verspürt.
Und wenn das Pferd äußert, dass es nicht motiviert ist, wird es auch nicht gezwungen.

Autonomie im Alltag

Ganz wichtig ist hierbei aber auch, dass Autonomie nicht bedeutet, dass das Pferd machen kann, was es will (das wird oft fälschlicherweise angenommen). Es bedeutet nur, dass ein “Nein” eine valide Antwort auf eine Frage des Menschen ist.

Außerdem beziehe ich mich hier ausschließlich auf das Bewegungstraining nach Intrinzen. Beim täglichen Handling, bei Tierarzt, Hufschmied, beim Spazierengehen, uvm. gibt es natürlich Situationen, in denen das Pferd nicht “Nein” sagen kann. Es gibt also einen ganz klaren Kontext für die Autonomie.

Diese Situationen versuche ich vorab (mit positiver Verstärkung) zu trainieren, sodass es unwahrscheinlich wird, dass das Pferd “Nein” sagt. Oder, wenn es möglich ist, suche ich eine Kompromiss.


Für mehr Gedankenanstöße und Inspirationen zu diesem Thema empfehle ich dir mein Arbeitsbuch:

3 Gedanken zu „Autonomie im Pferdetraining

  1. Pingback: Druck im Pferdetraining - bewegungsfreudepferd.de

  2. Pingback: Konsistenz und Planung - bewegungsfreudepferd.de

  3. Pingback: Autonomie-Reihe Teil 1 - bewegungsfreudepferd.de

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