Autonomie-Reihe Teil 1

Autonomie – Selbstbestimmung

Wenn man in bestimmten Pferdemenschen-Kreisen unterwegs ist, fällt früher oder später das Wort “Autonomie” und kann zu interessanten Diskussionen führen.
Auch ich habe vor drei Jahren angefangen, mich mit diesem Konzept auseinanderzusetzen und es durfte jetzt über eine lange Zeit reifen und sich entwickeln. Was Autonomie für *mich* bedeutet, möchte ich in diesem und den folgenden Posts erklären.

Ich habe das Wort Autonomie das erste Mal im Kontext von #intrinzen und der Self-Determination Theory (Selbstbestimmungstheorie von R. Deci) gehört. Die Selbstbestimmungstheorie definiert drei Grundbedürfnisse für selbstregulierte und intrinsische Motivation:

  • Autonomy – Gefühl der Freiwilligkeit
  • Mastery – Gefühl der Kompetenz und (Selbst)Wirksamkeit –
  • Relatedness / Purpose – Gefühl der sozialen Eingebundenheit / Sinnhaftigkeit des Tuns

Während Autonomie in der Philosophie als “Willensfreiheit” definiert ist, ist sie in der Selbstbestimmungstheorie ein “Gefühl von Freiwilligkeit”. Das Individuum, in unserem Fall das Pferd, soll das Gefühl haben, Entscheidungen treffen zu können, Kontrolle über seine Situation und Stress zu haben.

Aus Gründen der Motivation und diversen anderen (später mehr dazu) ist mir persönlich also die Autonomie des Pferdes wichtig. Ich möchte, dass sich das Pferd nicht zu etwas gezwungen fühlt, Kontrolle über die Trainingssituation hat, sich traut, Bewegungen auszuprobieren und Übungen vorzuschlagen, sowie langfristig motiviert ist, von sich aus mitzuarbeiten.

Autonomie – ist nicht Anarchie

Ziele der Autonomie sind also
🎯 selbstregulierte Motivation,
🎯 das Gefühl der Kontrolle über die Trainingssituation und
🎯 die Möglichkeit eigene Bewegungen vorzuschlagen.

Was bedeutet “Autonomie” für das Pferd in der Praxis?

Für mich ist wichtig zu betonen, dass Autonomie nicht bedeutet “mach, was du willst”. Sondern – es gibt einen bestimmten, abgesteckten Rahmen, bei uns nämlich die Freiarbeit, in dem das Pferd Übungen verweigern darf und bis zu einem gewissen Grad seine eigenen Ideen einbringen kann.
Es geht also um einen bestimmten Bereich des Umgangs und Trainings UND es geht in erster Linie um die *Bewegungs*autonomie des Pferdes.

D.h. ich definiere den Kontext “Freiarbeit: Training ohne Ausrüstung auf einem umzäunten Bereich”, in dem das Pferd seine Autonomie erleben und nutzen darf. Bestenfalls kann es dort seine Grundbedürfnisse wie Hunger decken (alternative Futterquellen stehen bereit), es wird zu nichts gezwungen (Arbeit mit positiver Verstärkung), es kann Übungen verweigern (es darf den Trainingsbereich verlassen) und es kann Bewegungen ausprobieren (Pferd wird nicht durch Ausrüstung und Anweisungen in eine bestimmte Haltung oder zu einer bestimmten Bewegung gebracht, sondern darf sich selbst organisieren).

In allen anderen Kontexten (Begrüßung, Stallarbeit, Putzen, Spazierengehen, usw) gelten andere Regeln. Inwiefern man hier auf die Meinung und Ideen seines Pferdes eingehen will, ist jedem selbst überlassen.
Auf dem Weg zu intrinsischer Motivation und Selbstbestimmung, sowie Selbstorganisation ist Bewegungsautonomie eine Grundvoraussetzung. Deswegen beziehe ich persönlich den Begriff Autonomie in erster Linie auf das Bewegungstraining des Pferdes.

Ein Gedanke zu „Autonomie-Reihe Teil 1

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