Clickertraining – Wie fange ich an?

Es freut mich, dass du dich für die praktische Anwendung der positiven Verstärkung interessierst.

Interessante und lehrreiche Bücher zum Thema Clickertraining habe ich unter Buchempfehlungen aufgelistet.
Außerdem gibt es wundervolle Youtube-Videos, Instagram-Accounts, Facebook-Gruppen und Blogs zum Thema Clickertraining mit Pferden.

Vorbereitungen

Clicker

Der Click dient als Marker für das exakte gewünschte Verhalten des Pferdes und ist die Ankündigung für das Futterlob.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Verhalten zu “markieren”:

  • Lobwort
  • Zungenclick
  • mechanischer Clicker

Wichtig ist, dass das Geräusch erstens eindeutig und zweitens – vor allem zu Beginn – sehr konsistent ist. Deswegen bietet sich für die ersten Anfänge immer ein mechanischer Clicker an (den es in jedem Tierfachhandel oder im Internet zu bestellen gibt).

Der Zungenclick sollte sich, wenn du ihn einsetzen willst, ganz klar von anderen Geräuschen wie dem Schnalzen unterscheiden.
Er sollte konsistent reproduzierbar und laut genug sein.

Ich persönlich habe mich gegen den Einsatz eines Lobworts entschieden, weil es mir persönlich schon zu lange dauert und ich bei keinem Wort versprechen kann, dass es mir (oder jemand anderem) nicht im Alltag herausrutscht.
Außerdem dauert die Verarbeitung eines Wortes im Gehirn deutlich länger (muss erst gehört, verarbeitet und als das Lobwort von anderen Wörtern unterschieden werden), während der Click schneller verarbeitet werden kann.
Generell spricht aber nichts dagegen, ein Lobwort wie “Keks” als Marker zu nutzen.

Futter

Das Pferd allein kann entscheiden, welches Futter belohnend wirkt. Ein Pferd, das Äpfel nicht mag, wird dafür keine Arbeit leisten wollen.
Generell sollte die Belohnung also auch als solche wahrgenommen werden.

Andererseits möchten wir auch, dass das Pferd nicht zu gierig auf die Leckerlis ist, weswegen sich niedrig-wertiges Futter anbietet. Das mindert die Futter-Aufregung und versichert den Menschen auch im Training, dass das Pferd nicht ausschließlich für das Futter arbeitet.

Niedrig-wertiges Futter, das ich empfehle:

  • Heucobs, die explizit zum Trockenfüttern geeignet sind
  • Biostickies
  • loses Heu

Was auch eingesetzt werden kann (z.B. als Jackpot) sind

  • Apfelstückchen
  • Karottenscheiben
  • Gurken

Wovon ich dringend abrate, sind definitiv zuckerhaltige Leckerlis.Manche Pferde brauchen große Leckerlis wie Heucobs, manche tun sich leichter kleinere Leckerlis sanft zu nehmen.
Bei sehr schnappigen Pferden kann es helfen, ein bröseliges Futter (z.B. die tägliche Müsli-Ration) portionsweise zu füttern. Normalerweise wird dies dann langsam und vorsichtig aus der Menschenhand gemümmelt.

Kontext

In der Übergangsphase vom traditionellen Training zum Training mit Futterlob, kann es für beide Seiten gut sein, einen expliziten Kontext zu haben, in dem mit Futter trainiert wird.

Das kann ein bestimmter Ort sein, wie der Roundpen, der ausschließlich zum Clickertraining genutzt wird.









Es kann aber auch ein bestimmter
Ausrüstungsgegenstand wie ein Halsring
sein oder auch ein Ausrüstungsgegenstand
des Menschen (hier bietet sich der
umgehängte Leckerlibeutel an), der signalisiert
“jetzt wird geklickert”.

Und dann wird auch nur Futter aus der Hand gegeben, wenn sich Pferd und Mensch in diesem Kontext befinden, ansonsten nicht.



Erste Schritte

Nasentarget

Natürlich kann man den Clicker erstmal “laden”, also dem Pferd einfach für jeden Click ein Leckerli geben.

Ich fange meistens schon mit einer leichten Aufgabe an, dem Nasentarget.

Dazu nutze ich einen interessanten handlichen Gegenstand, am liebsten einen Stock mit einem Tennisball am Ende. Es gehen aber auch z.B. Hütchen, Fliegenklatsche oder Ähnliches.

Dann wird dem Pferd das Target auf Kopfhöhe präsentiert. Da Pferde von Natur aus meist neugierig sind und neue Dinge mit der Nase erkunden, klicke ich das Erkunden oder Berühren des Targets und gebe so schnell wie möglich das Leckerli in neutraler Position.

(Dieses Handling kann man gerne vorher trocken oder mit einem menschlichen Partner üben.)

Wichtig ist hier das Timing:

  • Im Moment des Berührens klicken (nicht danach erst)
  • mit wenig zeitlichem Abstand das Leckerli (mit ausgestrecktem Arm) präsentieren.

Diesen Ablauf würde ich am Anfang einfach in 3-5 Minuten Sessions üben bis das Handling beim Menschen sitzt und das Pferd das Prinzip Klick=Leckerli (in neutraler Position) verstanden hat.

Je nach Pferd (und Mensch) kann das eine bis einige Sessions dauern, das ist völlig ok.

Als nächsten Schritt kann man das Target auch etwas zur Seite, tief oder etwas höher präsentieren. Das zeigt erstens, ob das Pferd die Übung verstanden hat und man kann zweitens schon kleine Dehnübungen in das Clickertraining einbauen.

Stehendes vs bewegendes Target

Dabei ist wichtig, dass sich das Target nicht mehr bewegt, nachdem es einmal an einer Stelle präsentiert wurde.
Also bitte nicht zur Seite halten, das Pferd dreht den Kopf und dann das Target doch noch weiter zur Seite bewegen. Gerade anfangs kann das sehr verwirrend für das Pferd sein.

In dem Zusammenhang möchte ich gleich erwähnen, dass ein stehendes Target wie bisher erklärt bei mir immer bedeutet: berühren.

Sobald ich mich mit dem Target irgendwohin bewege und das Pferd dem Target folgt, klicke ich nur für das Folgen, das Pferd soll das sich bewegende Target nicht berühren.
Hierbei würde – bei den meisten Pferden – Frustration entstehen, da sie ja wissen, sie sollen das Target berühren, aber der Mensch zieht es ihnen immer wieder vor der Nase weg.

Deswegen gerade anfangs für das Folgen frühzeitig klickern um nicht in ein Jagen oder gar Hineinbeißen in das Target zu kommen.

Wie kann ich weitermachen?

Folgen

Wie im vorherigen Absatz beschrieben, kann man direkt aus dem Nasentarget das Folgen erarbeiten.

Carrot Stretches

Aus dem stehenden Target kann man die “Carrot Stretches” (Dr. Hilary Clayton) erarbeiten.

Diese sind bereits eine wunderbare stabilisierende (!) Übung.

Wie man das Nasentarget und die Carrot Stretches mit seinem Pferd erarbeiten kann, erkläre ich in meinem Online-Kurs “Clickertraining: Nasentarget und Carrot Stretches”.

Matte

Um dem Pferd zu erklären, dass Clickern nicht immer bedeutet “berühre etwas mit der Nase”, kann man auch das Annähern an und Betreten einer Matte erklickern.

4 Gedanken zu „Clickertraining – Wie fange ich an?

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